Betreiben wir bei klimaneutral jetzt Ablasshandel?

Viele Kritiker des Prinzips des CO2-Augleichs behaupten, dass Kompensationszahlungen für CO2-Emissionen lediglich zur Beruhigung des eigenen Gewissens nützen, jedoch die eigentliche Herausforderung - nämlich die Reduktion des eigenen CO2-Fußabdrucks - vernachlässigen. Es wird dabei häufig ein mittelalterlicher Ablasshandel unterstellt, bei welchem wir uns von unseren Sünden freikaufen können, ohne unser Verhalten ändern zu müssen.

Wissenschaftliche Untersuchungen zu dieser Fragestellung kommen jedoch zu einem gänzlich anderen Ergebnis. Ein an der Universität Kassel im Jahr 2015 koordiniertes Forschungsprojekt von Prof. Dr. Andreas Ziegler und Dr. Claudia Schwirplies kam zu dem Ergebnis, dass sich Nutzer von CO2-Ausgleichsangeboten vor allem durch ein ohnehin hohes Umweltbewusstsein auszeichnen, denen Klimaschutz auch im Alltag bei ihren Konsumentscheidungen wichtig ist.

Prof. Ziegler führt hierzu aus: „CO₂-Offsetting (= CO2-Ausgleich) ist definitiv kein Ablasshandel, sondern ermöglicht den Ausgleich von schwer vermeidbaren Emissionen, was insgesamt zu mehr Klimaschutz führen sollte.“

Diese Ergebnisse wurden u.a. hier publiziert.

Bei klimaneutral jetzt teilen wir diese Ergebnisse uneingeschränkt. Es ist stets sinnvoller, eine Tonne CO2-Emissionen bereits heute auszugleichen, als zu warten und diese erst im Jahr 2050 oder später tatsächlich zu vermeiden. Die Vermeidung muss langfristig ohnehin geschehen, der CO2-Ausgleich zum heutigen Zeitpunkt hilft jedoch dabei, eine sinnvolle zeitliche Brücke bis zur Vermeidung zu bauen.